Am eigenen Schopfe aus dem Sumpf ziehen: Münchhausens Versuch wird von der Physik zum Scheitern verurteilt. Zum Glück unterliegen Gedanken nicht den Gesetzen der Schwerkraft. Das eröffnet mentale Möglichkeiten.

Auf das Umfeld können wir nur im begrenzten Maße Einfluss nehmen. Die Corona-Pandemie hat uns gerade vor Augen geführt, dass all unsere technologischen Möglichkeiten auch Grenzen haben. Und wie vernetzt unsere Welt ist.

Unsere Emotionen können wir uns auch nicht aussuchen. Die entstehen aus Affekten, das sind automatisierte Reaktionen unseres Körpers auf die Sinneseindrücke aus unserem Umfeld. Wir können jedoch unsere Emotionen steuern.

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Eigenwirksamkeit stärken

Nicht nur beim Tauchen sondern auch in allen anderen Lebensbereichen gilt:

Je stärker die Strömungen sind & je mehr sich unserem Einfluss entzieht
umso wichtiger ist langer Atem & kluge (Selbst-)Steuerung

Statt hilflos auf das zu starren, was wir NICHT beeinnflussen können ist es viel sinnvoller das Augenmerk auf das zu richten, was wir beeinflussen können. Beim Tauchen z.B. unsere Positionierung zur Strömung, unsere Körperhaltung, unseren Flossenschlag etc.

Hoch toxisch sind Selbstmitleid & Ohnmachtsgefühl. Dann kann eine hilfreiche Nachdenkfrage sein:

Was ist der vorgegebene Rahmen & was ist von mir darin gestaltbar?

Als Mathematikerin, die Topologie geliebt hat weiß ich: Jeder Rahmen hat ein Inneres. Wenn es eng wird, braucht es bewusste Aufmerksamkeit, um die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten wahrzunehmen – im doppelten Sinne des Worten:

  • Möglichkeit wahrnehmen = Chance erkennen

  • Möglichkeit wahrnehmen = Chance ergreifen

Siehe auch Blog-Beiträge:

In letzterem finden Sie auch diese Geschichte von Bertolt Brecht „Herr Keuner und die Flut“, die das Prinzip der Eigenwirksamkeit sehr einprägsam veranschaulicht.

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Eigenwirksamkeit bei anderen fördern

Häufig betitle ich meine Trainings:

Vom ohnmächtigen Opfer zum/zur freudvollen Gestalter*in meiner Wirklichkeit

Wenn Menschen Stein & Bein schwören, den äußeren Umständen völlig ausgeliefert zu sein, hilft auch eine paradoxe Intervention:

Die äußeren Bedingungen sind ja wirklich schrecklich:
Was können Sie tun, damit es für Sie noch schrecklicher wird?

So gut wie immer fällt einem dann etwas ein, wie man die Situation noch zuspitzen & verschlimmern kann. Wenn man das kann, heißt das prinzipiell, dass man Einfluss nehmen kann. So wie wenn ich im Winter mit dem Auto im Schnee steckenbleibe. Solange ich noch rückwärts tiefer in den Schnee fahren kann, habe ich eine Chance auch vorwärts zu kommen.

Als Grundsatz mag gelten:

Alles, was die Eigenwirksamkeit der anderen fördert, ist Teil einer nachhaltigen Lösung.
Alles, was die Eigenwirksamkeit der andrenen reduziert, mag gut gemeint sein,
trägt aber dazu bei, dass das Problem nachhaltig bestehen bleibt.

Im Sinne der Weisheit des taoistischen Philosophen Dschuang Dsi

Gibst du jemanden einen Fisch, nährt er sich nur einmal.
Lehrst Du ihn das Fischen, nährt er sich sein ganzes Leben.

empfehle ich Führungskräften für die Kommunikation mit Mitarbeiter*innen:

Was können Sie zur Problemlösung beitragen
& welche Unterstützung benötigen Sie dazu von mir als Führungskraft

Siehe auch Blog-Beiträge

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Veränderung braucht Spielbein & Standbein

Noch etwas anderes verdeutlicht die Unmöglichkeit von Münchhausen, sich selbst am Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen: Veränderung braucht auch Widerstand, den der Sumpf nicht bietet. Als Physikerin weiß ich, dass Widerstand zu Unrecht so ein negatives Image hat: Wir brauchen ihn, um voran zu kommen. Bei Glatteis ist der Widerstand so gering, dass wir leicht ausrutschen.

Natürlich müssen Kletter*innen wendig sein UND sie brauchen auch Halt. Traugott Lindner, der Gründer des Hernstein Instituts für Management und Leadership, hat formuliert:

„Veränderung braucht Stabilitätszonen“

Meine Leitfrage für Veränderungen lautet daher:

Was bleibt gleich UND was ist ab jetzt anders?

In der Haltung von „Erfahrenen Anfänger*innen“ können wir unsere Erfahrungsschätze nutzen UND brauchen wir Lernbereitschaft um Neues zu erproben. In Finnland sagt man:

„Wer ins kalte Wasser springt, taucht ins Meer der Möglichkeiten“

So habe ich es anlässlich der Corona-Krise gewagt, meine Trainings auch im Rahmen interaktiver Online-Konferenzen anzubieten. Die Erfahrungsschätze aus bald 37 Jahren Erwachsenenbildung waren dabei höchst nützlich. UND ich war in meiner Lernbereitschaft gefordert.

Ich empfehle dazu diese 3 Fragen:

  1. Was ist dir schon gelungen? Über welche Erfolge hast du dich gefreut? Wann hatte ich das gute Gefühl: „Ich habe es geschafft!“

  2. Welche Stärken & Strategien von mir haben sich dabei bewährt?

  3. Wie kann ich diese auch für zukünftige gleiche oder andere Situationen sinnvoll nutzen?

Mehr dazu in den Blog-Beiträgen:

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Selbstfürsorglichkeit

Und noch etwas möchte ich Ihnen mit der eingangs erzählten Münchhausen-Geschichte mitgeben: Wenn ich jemand anderem aus dem Sumpf helfen möchte, brauche ich dazu einen festen Stand. In meiner Toolbox nenne ich es

Flugsicherheits-Prinzip
Zuerst sich selbst mit Sauerstoff versorgen,
um dann den anderen gut helfen zu können

Das meine ich im übertragenen & wörtlichen Sinne: Denn im Stress werden wir wirklich kurzatmig. Da sollten wir den Atem durch tiefes, langes Ausatmen bewusst dehnen. Vom Tauchen sind meine Lungen zum Glück bestens trainiert.

Mehr dazu in den Blogbeiträgen

Training mit Profi-Equipment für (Self-)Leadership

Nähere Informationen & Anmeldemöglichkeit finden Sie hier

Monika Herbstrith-Lappe

Über: Monika Herbstrith-Lappe

Geschäftsführende Unternehmerin von Impuls & Wirkung – Herbstrith Management Consulting GmbH, High Performance Coach, Keynote Speaker, Top Trainerin, Certified Management Consultant, Autorin von Büchern und Fachartikeln