Als Ex-Workaholic ist nachhaltig-gesunde Leistungsstärke ein Lebensthema von mir. In Anlehnung an Paul Watzlawiks „Für jemanden, der nur einen Hammer kennt, schaut alles wie ein Nagel aus.“ hatte ich die Erkenntnis „Für eine Kämpferin schaut alles wie ein Kampf aus.“ Beim Strömungstauchen lernt man, dass man in beglückender Leichtigkeit mit vertrauensvollem Einlassen und kluger Selbststeuerung freudvoll vorankommt. So hat ein tauchender durchtrainierter Sportstudent, der gegen die Strömungen angekämpft ist, das wunderschöne Riff nicht erlebt, weil er schnell atemlos war und den Tauchgang abbrechen musste. Mein Buddy und ich haben hingegen mit viel weniger Krafteinsatz unser Ziel erreicht und den  Tauchgang in voller Länge auskosten können.

Als Workaholic auf der Jagd nach Erfolg

Ich habe exzessiv Mathematik und Physik studiert. Ich weiß nicht, wovor Reinhold Messner in dieser Zeit auf die Achtausender geflüchtet ist. Ich meinerseits bin vor dem eigenen Schatten davon gelaufen. Um ja nicht zum Nachdenken über die Schattenseiten meines Lebens zu kommen, habe ich mich in die Weiten und Tiefen der Naturwissenschaft gestürzt. Wer sagt, dass man nur körperlich-sportlich an die eigenen Grenzen gehen kann. Ich wollte wissen, was ich schaffe. 65 Wochenstunden in einem Semester mit Notenschnitt 1,0 war mein Rekord. Jeder Erfolg hat mich angespornt, mich noch weiter zu steigern. Roman Rackwitz, Pionier in Gamification, charakterisiert Spiel als die Jagd nach dem besseren Selbst. In diesem Sinne bin ich in meinem Studium der Spielsucht erlegen. Im übrigens bin ich damit auch den Beweis angetreten, dass Denken und Fühlen keinen Widerspruch darstellt. Bin ich ein rationaler oder ein emotionaler Typ, wenn ich begeistert die Dramaturgie mathematischer Beweise optimiere und mich daran ergötze, wenn der Beweis aufgeht? Nein, ich bin gleichzeitig intensiv kognitiv und höchst emotional.

Damals hat es den Begriff Burnout noch nicht gegeben. Erschöpfungsdepression war die Bezeichnung für das, was mich einholte, als ich den Bogen überspannt habe und mein Körper ganz laut geschrien hat, dass das was ich ihm abverlange für ihn nicht gesund ist. Professor Samy Molcho trifft es auf den Punkt:

„Menschen sind so umtriebig im Außen,
damit sie sich nicht mit dem beschäftigen können,
wovor sie am meisten Angst haben: ihrem Inneren.“

Also habe ich begonnen, mich auf den Weg zu machen, den Sigmund Freund „Das innere Ausland erkunden“ nennt. Auf der Suche nach meinem Seelenfrieden und Lebensglück, das Walter Benjamin so definiert:

„Glücklich sein heißt,
ohne Schrecken seiner selbst innewerden können.“

Als Leistungstochter mit einem sehr liebevollen, aber auch strengen Vater habe ich gelernt, mich über meine Erfolge und Leistungen zu definieren. Als Physikerin habe ich mir dann die Affirmation zugelegt:

„Ich bin kein Photon und brauche daher nicht die Lichtgeschwindigkeit zu existieren.
Ich kann zur Ruhe kommen und existiere weiter.“

Zur Ruhe und das innere Gleichgewicht finden

Wie gut weißt du, was dir gut tut?“ „Kennst und nutzt du deine höchst persönlichen Quellen des Entspannens und Auftankens?“ sind ganz zentrale Fragen zur Stärkung des emotionalen Immunsystems gegen Burnout. Ich habe für mich das entschleunigende Element Wasser gefunden. Tauchen ist für mich DER Perspektivenwechsel, der mir die Qualität des Zulassens erschließt. Die Gemeinsamkeit der Tauchbegeisterung hat mich auch mit meinem Mann zusammengeführt. Seither bin ich überzeugt:

„Zu wissen, mit wem man wo sein möchte,
bedeutet Lebensglück.“

Übrigens es gibt wissenschaftliche Studien, dass glückliche Menschen signifikant länger leben und Menschen mit gut gepflegten Beziehungen nur ein halb so großes Risiko haben, im nächsten Jahr zu sterben.

Unter Wasser liebe ich es, mich schwerelos schwebend über Hindernisse hinwegzuatmen. Dass ich unter Wasser eine gute Atmung beherrsche, um mit der mitgebrachten Luft lange auszukommen, kommt mir auch als langer Atem in stressigen Alltagssituation zu Gute. Wie kann ich ober Wasser auch mehr beglückenden Auftrieb erfahren, um meine Ziele in spielerischer Leichtigkeit zu erreichen? Meine höchst persönliche Mischung ist Selbstvertrauen und Zuversicht ordentlich gewürzt mit Humor. „Was stimmt mich zuversichtlich, dass ich es schaffe?“ ist tatsächlich DIE Anti-Stress-Frage. Denn das wirkliche PROblem ist die Größe des PROblems minus meinem Zutrauen in die Lösungsmöglichkeiten. Spaß und Heiterkeit dämpft die Stöße des Lebens. Unser Familienmotto:

„Irgendwann finden wir es lustig,
dann lachen wir doch gleich darüber!“

Erfolg braucht entschlossene Tatkraft und vertrauensvolles Einlassen

Unter Wasser ist es ganz klar, dass es sinnvoll wäre, gegen Strömungen anzukämpfen. Übrigens sportliche Menschen tappen ganz leicht in die Falle es doch zu versuchen. Sie sind dann schnell außer Atem und müssen den Tauchgang frühzeitig frustriert beenden. Viel klüger ist es, die eigene Position in Bezug auf die Strömung zu steuern. Statt gegen Widrigkeiten anzukämpfen, gilt es sich einerseits vertrauensvoll in die Gegebenheiten einzulassen und andererseits die eigenen Möglichkeiten der Selbststeuerung zu nutzen. Gemäß der buddhistischen Weisheit:

„Wenn du ein PROblem hast, dann löse es.
Wenn du es nicht lösen kannst, dann mache kein Problem daraus.“

Wir TaucherInnen suchen übrigens die Strömungen, weil wir dort mit Sichtung von Großfischen belohnt werden. Ausklingen lassen wir dann den Tauchgang, um mit der Strömung gut im Flow das Riff auszukosten. Auch über Wasser gilt: Je stärker die Strömung d.h. das von uns Nichtbeeinflussbare ist, umso wichtiger ist es, die eigenen Einflussmöglichkeiten zu nutzen. Getaucht wird übrigens immer im Buddy-Team. Dabei geht es einerseits um stark ausgeprägte Eigenverantwortung und andererseits um Achtsamkeit für den Buddy. Klare Kommunikation und Entscheidungsfindung kann lebenswichtig sein. Eine der wichtigsten Regeln lautet: „Egal was passiert: Don’t panic!“. Ober Wasser nenne ich es Entkatastrophisieren von kritischen Situationen. „Was kann schlimmstenfalls passieren?“ ist dafür eine wirkungsvolle Fragestellung. „Was habe ich schon geschafft und was werde ich daher schaffen?“ eine andere.

Freudvolle Gelassenheit für nachhaltig-gesunde High Performance

Ich arbeite jetzt nicht viel weniger als in meinen Workaholic-Zeiten. Ein wesentlicher Unterschied ist jedoch, dass ich jetzt Erfolg nicht mehr als Anerkennung von anderen sondern als meine Freude am Schaffen und Geschafften verstehe. Ich muss und will niemanden etwas beweisen! Früher war Perfektion mein Ideal. Jetzt lege ich auf Stimmigkeit Wert. Mit den Worten von Martin Luther King

„Sei doch jeder das, was er ist,
aber sei er es ganz.“

Das ist auch erfüllend! „Worauf freue ich mich heute in allen Lebensbereichen?“ hilft mir meine Life-Balance zu wahren. Berufliche Lebensfreude ist ein nach wie vor wesentliches Element. Beglückende freizeitliche Aktivitäten – neben Zusammensein mit der Familie und FreundInnen sind uns unsere Tauchreisen sehr wichtig – haben hohe Priorität. „Was machen Sie in Ihrer Freizeit gut und gerne?“ ist meine Lieblingsmethode, um Potentiale von MitarbeiterInnen zu erkennen. Statt Beruf und Freizeit zu trennen, ist es viel sinnvoller diese Lebensbereiche miteinander zu verbinden. Klug ist es, private Kompetenzen auch beruflich zu nutzen und umgekehrt.

Dieses besondere Selbst-Portrait habe ich für den Hernsteiner 2/2018  im Hernstein-Schwerpunkt-Jahr „Zulassen“ verfasst, in dem es in der Rubrik „Selbsterfahrung“ in gekürzter Form veröffentlicht wurde.

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Monika Herbstrith-Lappe

Über: Monika Herbstrith-Lappe

Geschäftsführende Unternehmerin von Impuls & Wirkung – Herbstrith Management Consulting GmbH, High Performance Coach, Keynote Speaker, Top Trainerin, Certified Management Consultant, Autorin von Büchern und Fachartikeln