
KI verändert gerade radikal unser Spielfeld. Alte Regeln werden auf den Kopf gestellt. Ist überhaupt noch das Ziel des Spiels klar? Kein Wunder, dass diese Unsicherheiten Verlustängste schüren.
Dabei übersehen wir häufig, dass inmitten der Unsicherheiten unendlich viele neue Möglichkeiten auf dem Tisch liegen.
Doch die entscheidende Frage lautet für mich nicht: „Welchen Zug empfiehlt mir die KI?“ Viel wichtiger ist: „Welches Spiel möchte ich überhaupt spielen?“
Womit sich die noch tieferen Fragen stellen: „Wofür?“ und „Mit wem?“
Genau hier beginnt für mich das Möglichkeitsdenken.
Wenn die Karten neu gemischt werden
Ich liebe Kartenspiele. Nicht, weil ich immer gewinnen möchte. Sondern weil sie mich daran erinnern, dass wir nie alle Karten selbst auswählen können. Entscheidend ist vielmehr, was wir aus den Karten machen, die wir in der Hand halten.
Als Mathematikerin & Statistikerin liebe ich das Buch „Fortuna und Kalkül. Zwei mathematische Belustigungen“ von Hans Magnus Enzensberger. Einerseits braucht es Chancen-Intelligenz, um glückliche Umstände und Chancen wahrnehmen zu können. Und andererseits die Kompetenz, aus diesen Chancen das Bestmögliche zu machen.
Mit Künstlicher Intelligenz werden die Karten unseres Berufs- und Privatlebens gerade neu gemischt. Manche erleben das mit Begeisterung, andere mit Sorge. Ich sehe darin vor allem eine Einladung. Nicht nur dazu, möglichst schnell die nächste KI-Anwendung auszuprobieren. Sondern vor allem dazu, die viel grundlegendere Frage zu stellen:
Welches Spiel möchte ich eigentlich spielen?
Denn wer nur den nächsten Zug optimiert, kann leicht vergessen, wohin die Reise überhaupt gehen soll.
Es gibt kein richtiges Leben im falschen.
Theodor W. Adorno
Dr. Tobias Esch, Universitätsprofessor für Integrative Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung an der Universität Witten/Herdecke, spricht neben der körperlichen, psychischen und sozialen Gesundheit auch von der semantischen, der bedeutungsgebenden.
KI kann in Sekundenschnelle Antworten liefern. Sie analysiert Daten, erkennt Muster und entwickelt beeindruckende Vorschläge. Die wichtigste Frage kann Ihnen keine KI beantworten, Die wirklich lebensentscheidenden Fragen bleiben zutiefst menschlich.
- Fühle ich mich zugehörig?
- Wo bin ich richtig?
- Erlebe ich es als sinnvoll?
- Wie gut deckt es sich mit meinen Werten?
- Was gibt meinem Tun Bedeutung?
- Welche Möglichkeiten passen wirklich zu mir?
- Was macht mein Leben stimmig?
Siehe auch: IKIGAI – Kraftquelle Sinn
Das Meer der Möglichkeiten für ein Mehr der Zuversicht
Genau da kommt mein Meer der Möglichkeiten ins Spiel.
Es ist für mich weit mehr als ein schönes Bild. Es ist eine Einladung zu einem Perspektivenwechsel.
Von oben betrachtet erscheint das Meer oft ruhig und einheitlich blau. Wer jedoch abtaucht, entdeckt eine faszinierende Welt voller Farben, überraschender Lebensformen und genialer Symbiosen. Was an der Oberfläche verborgen bleibt, entfaltet in der Tiefe seine ganze Vielfalt.
Mit unseren Möglichkeiten ist es oft ganz ähnlich.
Wenn wir nur auf das Offensichtliche schauen, sehen wir häufig lediglich zwei oder drei Optionen. Erst wenn wir bereit sind, tiefer zu denken, eröffnen sich neue Wege. Möglichkeiten, die wir vorher gar nicht wahrgenommen haben.
Deshalb inspiriere ich als MöglichMacherin Menschen dazu, erstaunliche Möglichkeiten zu entdecken und bestärke sie darin, daraus das Bestmögliche zu machen.
Dabei begleitet mich seit vielen Jahren dieser Gedanke von Heinz von Foerster:
„Handle stets so,
dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird.“
Ich verstehe dieses Zitat nicht als Handlungsanweisung, sondern als Einladung, den eigenen Möglichkeitsraum immer wieder zu erweitern.
Mehr Möglichkeiten bedeuten mehr Erfolgs-Chancen. Und daher ein Mehr der Zuversicht.
Genau darum geht es in meinem Vortrag:
„Zukunft braucht Zuversicht – von Unsicherheiten zu Möglichkeiten“
Warum KI einen Coach nicht ersetzt – sondern gute Fragen noch wertvoller macht
Je größer die Zahl der Möglichkeiten wird, desto wichtiger wird Orientierung. Genau deshalb schätze ich Coaching als einen so wertvollen Raum für Entwicklung.
Nicht, weil Coaches die besseren Antworten kennen. Sondern weil sie als Sparring-Partner*innen die besseren Fragen stellen. Fragen, die neue Perspektiven eröffnen und Möglichkeiten sichtbar machen, die im eigenen Gedankenkarussell leicht verborgen bleiben. Professionelle Coaches verfügen über vielfältige Frage- und Coaching-Techniken, die dabei helfen, Zusammenhänge zu erkennen, blinde Flecken aufzudecken und den eigenen Möglichkeitsraum Schritt für Schritt zu erweitern.
Wir alle haben blinde Flecken. Das ist kein Mangel, sondern zutiefst menschlich. Wer mitten auf dem Spielfeld steht, sieht das ganze Spielfeld eben nicht. Sparring-Partner*innen blicken von außen auf die Situation. Gerade diese Außensicht eröffnet häufig Möglichkeiten, die ich allein gar nicht wahrgenommen hätte.
Künstliche Intelligenz kann dabei eine wertvolle Unterstützung sein. Sie analysiert Informationen in beeindruckender Geschwindigkeit, erkennt Muster und liefert kreative Anregungen. Doch sie erlebt nicht, was Sie bewegt. Sie spürt nicht, was zwischen den Zeilen mitschwingt. Und sie kann keine echte Beziehung gestalten.
Ein menschlicher Coach begegnet Ihnen dagegen mit wirklicher Empathie. Nicht mit einer behaupteten oder simulierten, sondern mit einer gelebten. Er oder sie nimmt Stimmungen wahr, erkennt feine Zwischentöne, stellt genau im richtigen Moment die entscheidende Frage und schafft einen vertrauensvollen Raum, in dem neue Gedanken entstehen dürfen.
Für mich liegt die Zukunft deshalb nicht im Entweder-oder, sondern im Sowohl-als-auch.
Ich nutze KI gerne, um Ideen zu entwickeln, Perspektiven zu erweitern und Möglichkeiten sichtbar zu machen. Doch wenn es um lebensentscheidende Fragen geht – um Sinn, Werte, Identität und den eigenen Weg –, vertraue ich auf das, was Menschen seit jeher einzigartig macht: die Fähigkeit zu echter Begegnung.
Vielleicht ist das der beste Zug in einer Welt, in der die Karten gerade neu gemischt werden: die Stärken der Künstlichen Intelligenz mit den Stärken menschlicher Intelligenz und Empathie zu verbinden. So mehren sich die Möglichkeiten und damit die Chance, aus ihnen das Bestmögliche zu machen.
Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, nicht nur Ihre Karten neu zu sortieren. Sondern sich zu fragen:
„In welchem Spiel möchte ich zukünftig welche Rolle spielen?“
Fotocredit: ChatGPT gepromptet von Monika Herbstrith-Lappe
Über: Monika Herbstrith-Lappe
Geschäftsführende Unternehmerin von Impuls & Wirkung – Herbstrith Management Consulting GmbH, High Performance Coach, Keynote Speaker, Top Trainerin, Certified Management Consultant, Autorin von Büchern und Fachartikeln
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