Je komplexer unsere Welt wird, desto gefährlicher wird die Illusion, Erfahrung allein würde Sicherheit garantieren. Der tragische Tauchunfall auf den Malediven zeigt auf erschütternde Weise: Nicht Angst schützt uns, sondern professionelles Risikobewusstsein, Verantwortung und die Bereitschaft, Risiken immer wieder neu zu bewerten.

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Wenn Erfahrung zur gefährlichen Komfortzone wird

Als Extrem-Taucherin weiß ich: Das Meer verzeiht keine Selbstüberschätzung. Zurecht gibt es beim Tauchen lebenswichtige Sicherheitsregeln. Gerade deshalb berührt mich der tragische Unfall auf den Malediven besonders tief. Sechs Menschen, darunter auch einer der Marine-Bergungstaucher, verloren ihr Leben. Nicht wegen eines einzelnen Fehlers, sondern wegen einer Verkettung riskanter Entscheidungen und Missachtung gesetzlicher Bestimmungen und elementarer Sicherheitsregeln.

Mich beschäftigt dabei vor allem ein psychologischer Mechanismus, den wir nicht nur beim Tauchen erleben, sondern auch in Unternehmen, Führungsetagen und Transformationsprozessen: die gefährliche Verwechslung von Erfahrung mit Sicherheit.

Nur weil etwas oft gut gegangen ist, war es deshalb noch lange nicht sicher. Genau darin liegt der tückische Survival Bias. Menschen schließen aus vergangenen Erfolgen auf zukünftige Sicherheit und unterschätzen dabei veränderte Rahmenbedingungen. Im Meer wie im Management.

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Risikobewusstsein ist kein Spielverderber, sondern ein Realitätscheck

Die Taucher*innen bewegten sich in einem Bereich, der weit außerhalb der Sicherheits-Grenzen des Sporttauchens lag. Tiefe Höhlentauchgänge erfordern spezielle Ausbildung, redundante Sicherheitssysteme und andere Atemgasgemische. Offenbar wurde das weder von den leichtsinnig und grob fahrlässig agierenden Urlaubs-Taucher*innen als auch von den ersten Marine-Bergungstauchern berücksichtigt, von denen auch einer starb.

Mich erinnert das an Organisationen, die mit alten Erfolgsstrategien neue Herausforderungen lösen wollen. Doch neue Tiefen verlangen neue Denkweisen.

Risiko bedeutet nicht automatisch Gefahr. Risiko bedeutet zunächst einmal Realität. Die entscheidende Frage ist daher nicht: „Wie vermeiden wir jede Unsicherheit?“ Sondern: „Wie entwickeln wir Risikokompetenz, um mit Unsicherheit professionell umzugehen?“

Angst engt unsere Handlungsfähigkeit ein. Professionelles Risikobewusstsein hingegen erweitert unseren Aktionsradius. Genau darum geht es in meinem Vortrag

„Die Grüne Kokosnuss: Risikobewusst statt angstgetrieben“

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Der Mut zur Demut ist eine Zukunftskompetenz

Besonders beeindruckt mich nicht nur beim Tauchen immer wieder die paradoxe Kraft des Anfänger*innen-Geistes. Gerade erfahrene Menschen brauchen die Fähigkeit, Situationen neu zu betrachten ohne Routineblindheit. Das gilt gleichermaßen, wenn man in einer Tauchregion zum 1. Mal taucht, wie auch, wenn man etwas völlig anderes erlernt wie das technisch aufwändige Tief- oder Höhlentauchen. Wer in große Tiefen vordringt, darf sich nicht auf alte Gewissheiten verlassen. Das gilt heute auch für Leadership, Entscheidungen und Zukunftskompetenz in Unternehmen.

Wir leben in einer Zeit, in der sich Rahmenbedingungen schneller verändern als unsere Erfahrungswerte. Genau deshalb wird Demut zur strategischen Stärke. Nicht im Sinne von Kleinmachen, sondern im Sinne geistiger Beweglichkeit.

Ich nenne das: erfahrene Anfänger*innen bleiben: einerseits Erfahrungsschätze nutzen und andererseits diese immer wieder an verändertes Umfeld anpassen.

Denn Zukunft entsteht dort, wo Menschen dazu bereit sind:

Vom Alten lernen, Neues zu machen.

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Sicherheit entsteht durch Verantwortung, nicht durch Gewohnheit

Mich bewegt an diesem Fall auch der Gedanke des „Selbstschutz vor Fremdschutz“. Selbst einer der maledivischen Bergungstaucher verlor offenbar durch unzureichende technische Ausrüstung und zu wenig Berücksichtigung der Sicherheitsregeln sein Leben.

Das zeigt eine Wahrheit, die auch im Business oft verdrängt wird: Wer Verantwortung übernimmt, muss zuerst die eigenen Grenzen ernst nehmen.

Sicherheit entsteht nicht durch Hoffnung. Nicht durch Erfahrung allein. Und schon gar nicht durch Gewöhnung an Risiko. Sicherheit entsteht durch bewusste Vorbereitung, klare Systeme, professionelle Entscheidungen und die Bereitschaft, Warnsignale ernst zu nehmen.

Gerade in Zeiten großer Veränderungen brauchen wir deshalb weniger Angst, aber mehr Risikobewusstsein, mehr Verantwortung und mehr kluge Zusammenarbeit.

Denn im Meer der Möglichkeiten entscheidet nicht Mut allein über das Überleben, sondern die Fähigkeit, Tiefe richtig einzuschätzen. Es braucht eine kluge Balance zwischen Zuversicht & Vorsicht.

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Hier können Sie ausführlicher den Artikel „6 Menschen beim Tauchen auf den Malediven gestorben – Die tödliche Illusion von Sicherheit durch Erfahrung“ lesen, der auf PR-Gateway erschienen ist.

Bildnachweis: Wikimedia Commons Danreind

Über: Monika Herbstrith-Lappe

Geschäftsführende Unternehmerin von Impuls & Wirkung – Herbstrith Management Consulting GmbH, High Performance Coach, Keynote Speaker, Top Trainerin, Certified Management Consultant, Autorin von Büchern und Fachartikeln