Viele erfolgsorientierte Menschen sind vom Stressverstärker „Sei stark!“ geprägt. Natürlich versucht man zunächst, sich selbst zu helfen. Das ist auch gut so. Eigenwirksamkeit & Eigenverantwortung zu stärken ist von zentraler Bedeutung für souveräne Unternehmens- & Lebensführung. Zur Falle wird es, wenn man dann Hilfe anzunehmen als eigene Schwäche interpretiert. Denn das Gegenteil stimmt: Sich Unterstützung organisieren und annehmen zu können ist eine wichtige Kompetenz.

Selbstfürsorglichkeit als Voraussetzung für gesunde Top-Leistung

Speziell für Unternehmer*innen ist es eine zentrale qualitätssichernde Maßnahme in Selbstfürsorglichkeit auf das eigene Wohlbefinden und die Gesundheit zu sorgen. Denn speziell bei Klein- & Mittelunternehmen hängt der Erfolg des Unternehmens maßgeblich von der Leistungsfähigkeit der Unternehmer*innen ab. Ihnen sei daher das Flugsicherheits-Prinzip ans Herz gelegt:

„Zuerst sich selbst mit Sauerstoff versorgen,
um dann andere gut unterstützen zu können.“

Siehe auch: „Auftanken statt auspowern: So bleiben Sie leistungsstark

Sicherheitsnetze nutzen

Eine schwedische Weisheit beschreibt eine äußerst zielführende Strategie zur Stärkung der Überlebensfähigkeit:

„Auf das Beste hoffen,
auf das Schlimmste gefasst sein
und es nehmen, wie es kommt.“

Auch wenn man auf das eigene Wohlbefinden & die Gesundheit achtet ist man vor Krankheit & Unfällen nicht gänzlich gefeit. Die Betriebshilfe bietet Unterstützung bei längeren Krankenständen und Rehabilationsaufenthalten. Besonders erfreuliche Situationen, in denen die Betriebshilfe Unternehmen unterstützt sind der Mutterschutz vor & nach der Geburt eines Kindes.

Kompetenzen anderer erschließen

Unsere Bildungseinrichtungen zielen darauf ab, dass wir fehlerfrei & makellos funktionieren. Eine gute Beurteilung bekommen wir, wenn wir alles wissen & können. Ich nenne diese Haltung Souveränität 1.0, in der der Stressverstärker „Sei perfekt!“ dominiert. In dieser lehnen wir mit „Kann ich alleine!“ Unterstützungsangebote ab. Auch „fragen zu müssen“ ist ein Zeichen von Unzulänglichkeit. Dem stelle ich das Konzept Souveränität 2.0 entgegen: Stimmig zu agieren – inkl. Ecken & Kanten, Fehler & Pannen. Souverän 2.0 habe ich den Mut zur Demut, in dem ich dazu stehe, dass ich Dinge weiß und andere nicht, dass ich vieles kann und anderes nicht, dass ich über meine Kompetenzen verfüge und es für andere Kompetenzen andere Expert*innen gibt. Auch zu wissen, wo ich nachschauen kann oder wenn ich fragen kann, ist wertvolles Wissen. Menschen in der Souveränität 1.0 sind beratungsresistent. In Souveränität 2.0 verfügen wir hingegen über die Kompetenz, uns auch die Kompetenzen anderer nutzbar zu machen.

Siehe auch: Souverän 2.0: Richtig reagieren bei Fehlern und Pannen“

Vertrauen fassen

Erfolg hängt in hohem Maße von entschlossenem Zupacken ab. Und es braucht ebenso vertrauensvolles Loslassen. Nur wenn wir Unterstützung zulassen, können andere ihre Leistungen ins Unternehmen einbringen. Vertrauen ist das Fundament auf dem die Hilfeannehmen funktionieren kann. Und der Motivations-Guru Reinhardt Sprenger bringt es auf den Punkt:

„Vertrauen zu schenken
erzeugt einen Verpflichtungssog.“

Wenn man Ver- & Zutrauen bekommen hat, will man es nicht wieder verlieren. Daher wird man sich ins Zeug legen, die Erwartungen zu erfüllen.

Erwartungen aussprechen

Prof. Samy Molcho, Pionier der Pantomime & Körpersprache:

„Enttäuschungen sind häufig nicht erfüllte Vereinbarungen,
die ich im Namen des/der anderen mit mir getroffen habe.“

Es ist tatsächlich eine fatal wirkungsvolle Anleitung zum Unglücklichsein, Wünsche nicht auszusprechen und sich dann darüber zu kränken, dass es die anderen nicht hören. „Wenn du mich wirklich liebst, müsstest du doch wissen, was ich möchte.“ heißt es dann in Beziehungen. Oder Kunden werfen den Unternehmen vor: „Sie sind doch der/die Expert*in. Sie müssten doch wissen, was Sie wollen.“ Doch – zum Glück – können wir nicht Gedanken lesen. Als Unternehmer*in kann ich die Kund*innen in der Gesprächs-Führung darin unterstützen, Klarheit über ihre Wünsche & Erwartungen zu bekommen.

Ein wesentliches Element beim Annehmen von Unterstützung ist daher auch, dass Sie klar Ihre Erwartungen hinsichtlich der Leistungen der anderen aussprechen. Überlegen Sie sich und sprechen Sie es aus, was Sie vorgeben wollen und wo Sie den Unterstützenden Gestaltungsmöglichkeiten lassen. Als Richtwert mag gelten, dass Sie vorgeben WAS sie möchten und delegieren WIE das der andere erfüllt – natürlich im Rahmen gesetzlicher Bestimmungen, vertraglicher Vereinbarungen etc.

Wertschätzend anders

In unserer Kultur sind wir gewohnt, dass alles in den Kategorien richtig oder falsch, Stärke oder Schwäche, gut oder böse, besser oder schlechter bewertet ist. Achtung: andere sind wirklich anders. Und sie machen daher Dinge anders als sie. Für viele ist das irritierend. Sehen Sie es als Chance: Wie Sie die Welt wissen Sie ja bereits. Seien Sie offen dafür, welche Zugänge andere haben. Nutzen Sie andere Sichtweisen als Bereicherung Ihres Denkhorizonts & Handlungsrepertoirs.

Siehe auch: „Bereichernde Vielfalt“

Rückmeldung geben

Menschen anzusehen steigert Ihr Ansehen. Wir freuen uns, wenn unsere Leistungen gesehen werden. Kleine Kinder wollen, dass jede Zeichnung die schönste ist. Ab ca. 6 Jahren wollen Menschen eine differenziertere Betrachtung Ihres Schaffens. Im Harvard Business Review erschien die Studie “The Ideal Praise-to-Criticism Ratio“ Jack Zenger and Joseph Folkman, March 14, 2013. Diese hat ergeben, dass ein Verhältnis von mehr als 5 x so viel bestärkender wie korrigierender Rückmeldung am meisten Lernen & Veränderung bewirkt. Sagen Sie daher den Helfer*innen, wo Ihre Erwartungen erfüllt sind und was Sie sich zukünftig anders erwarten.

Dankbarkeit kultivieren

„Dankbarkeit zu fühlen und sie nicht auszudrücken,
ist wie ein Geschenk zu verpacken
und es nicht zu verschenken.“

Dieser Aussage von William Arthur Ward stimme ich aus tiefem Herzen zu. Dankbarkeit ist einerseits eine wesentliche Säule unseres Glücks und andererseits unserer Gesundheit. In einer schulmedizinischen Studien wurden Versuchspersonen eingeladen, 4 Wochen lang Dankbarkeit zu kultivieren, indem Sie bewusst Dankbarkeit empfinden und auch aussprechen. Im Gegensatz zur Vergleichsgruppe, die dies nicht praktiziert hat, haben sich die Blutwerte hoch signifikant verbessert. Von Natur aus sind wir höchst soziale Wesen, die in Gemeinschaften leben wollen, wo Geben & Nehmen ausgewogen ist.

Dieser Blog ist in modifizierter Form auch auf Port41 veröffentlicht: Wie Sie die Kompetenz erlangen, Unterstützung anzunehmen